Die Gundelrebe blüht bereits im März und gehört zu den ersten Heilpflanzen des Frühjahrs. Sie wächst häufig an Hecken, Mauern und Wegen und liebt feuchten Grund und ist Bestandteil der Gründonnerstagssuppe.

Diese leuchtend hell-blauvioletten Blüten sind bereits ein Hinweis auf die Vitalenergie dieser Pflanze, deshalb unentbehrlich in jeder Frühjahrskur zur Blutreinigung und um die starren Glieder und Gelenke des Bewegungsapparates wieder in Schwung zu bringen. Alle Pflanzen mit runden, schildförmigen Blättern geben den Hinweis auf eine Schutzpflanze und sind große Heilerinnen. Es sind die Ausläufer bildenden Kräuter und die lästigen Unkräuter wie Brennnessel, Braunelle, Gänseblümchen und Gundermann, die auf ihre unbändige Vitalität aufmerksam machen.

Was steht in alten Kräuternbüchern?

Gundelreben in Wein gesotten und getrunken, bewegen den Harn, der Frauen Zeit, töten die Würmer und treiben das Gift aus durch den Schweiß. Das Kraut samt den Blumen gepulvert ist gut den Schwindsüchtigen, die Eiter in der Brust haben. Auch wird es gegen den Stein gelobt.

Im Kräuterbuch Tabernaemontanus aus dem Jahre 1631 wird Gundelrebensaft als Mittel zur Schärfe des Gehörs empfohlen. Der Auszug, so rät Tabernaemontanus, soll morgens und abends getrunken werden. Ist gut bei Herzzittern und Gelbsucht, tut dem bösen Magen gut und schadet auch der Lunge nicht. Gundermann öffnet die Verstopfung von Leber und Milz, bringt den Frauen ihre Zeit (Menstruation) und macht wohl harnen.

Noch heute ist der Gundermann der „Herr des Eiters“ und findet Anwendung bei allen eitrigen Fäulnis- und Eiterprozessen wie infizierte Wunden, Furunkel oder Mittelohreiterung. Einzusetzen bei Schwundprozessen mit Muskeln. Durch die blutreinigende Eigenschaft gehört der Gundermann in jedes Rezept zur Frühjahrskur. Seine antibiotische Wirkung gegen Bakterien macht ihn unverzichtbar bei der Wundenbehandlung. Der Gundermann ist eine große Heilpflanze für die Milz.

Sie regt den gesamten Stoffwechsel an und findet Anwendung bei Nervenleiden mit Frühjahrverschlimmerung. Gundermann hilft dem blassen, schwächlichen und traurigen Menschen. Patient ist schlecht inkarniert und hat Lungenprobleme.

Gundermann contra Salbei

Das Kraut des Gundermanns ist das Gegenstück zum Salbei. Beim Salbei geht es um einen Menschentyp, der sich nicht reinigen will, weil er so sehr in seinen Erfolgsvorstellungen gefangen ist (Leistungszwang). Der Gundermann-Typ hingegen vermag sich nicht zu reinigen, weil ihm die Kraft dazu fehlt.

Bei uns Gundelrebe oder Erdefeu genannt, im Englischen heißt Glechoma hederaceum ground-ivy der Bodenefeu. All diese Namen sind Fingerzeige auf das Wesen des Gundermanns. Die Pflanze hat die Anlage zum Überragen und sich hocharbeiten, aber sie vermag es nicht, sich vom Erdboden zu lösen und kriecht folglich am Grunde – stets auf der Sucher nach einem freien Plätzchen zum Sonnen.

Auch der passende Menschentyp zur Grundlrebe handelt so. Er ist ein mark- und saftloser Typ ohne Schwung, der mit den Eindrücken, die das Leben ihm zu bieten hat, nichts anzufangen weis. Das übernimmt auch der Darm. Lebensmittel werden unzulänglich verdaut, wodurch der Körper unentbehrliche Stoffe nur beschränkt zugeführt erhält. Wenn man Lungen- und Bronchialbeschwerden hat und dem eben beschriebenen Menschentyp angehört, kann der Erdefeu Linderung bringen.

Der skrofulöse Menschentyp leidet unter schlecht oder unregelmäßig funktionierenden Drüsen und nicht selten auch noch unter Heuschnupfen. Es hat sich gezeigt, dass gerade dieser Typ bei Heuschupfen ausgezeichnet auf Glechoma-Tinktur anspricht.

Der Gundermann und die verhexte Milch

Die Volksmedizin wusste Bescheid über die Zauberpflanze Gundlrebe. Es scheint, so liest man immer wieder über die germanische Zauberpflanze, dass sie eine nahrungsspende Frühlingspflanze ist und dass ihr ein guter Pflanzengeist zugewiesen wurde, der auch Zauber abhält – für Mensch und Tier.

In der ersten Mainacht geschnitten und mit Salz und Hafer vermischt, wird Gundlrebe dem Vieh ins Futter untergemischt gegen verhexen der Milch. Nach alten Aberglauben kann man die Hexen erkennen, wenn man an Walpurgi mit einem Kranz von Gundermann auf dem Kopfe in die Kirche geht. Wer an Neujahr einen Strauß Gundermann mit in die Kirche nimmt, erhält die Gabe, zu sehen, wer aus der Gemeinde stirbt. Albertus Magnus schreibt: „Wenn einer Kuh das Eiter behext ist, so soll man drei Kränzlein von Gundelreben winden und einen jeden Strich dreimal hinten durch die Füße melken, danach der Kuh die drei Kränzlein zu essen geben und gewisse Worte dazu sprechen“.

Die Heilige Hildegard von Bingen schreibt:

Wenn die Fehlsäfte den Kopf wie benommen machen (fatigari = blutarm, örtliche Durchblutungsstörungen), so dass auch seine Ohren wie Wasserrauschen tönen, dann soll er Grundelrebe in heißem Wasser kochen, die Pflanze nach ausdrücken des Wassers warm rund um seinen Kopf packen, es mindert das dumpfe Gefühl im Kopf und öffnet den Gehörapparat in seinen Ohren.

Das Kraut von Gundermann, so hat die Heilige Hildegard es beschrieben, hat die Kräfte von Gewürzen, weil ihre Grünkraft sanft und nützlich ist, so dass der Mensch, der schon lange leidet und vom Fleisch gefallen ist, in einem mit Gundelrebe warm gemachten Wasser baden soll, uns er soll auch dieses Kraut in Pfannkuchen oft essen, es wird ihm gar viel nützen, weil der gute Saft dieser Pflanze den Menschen innerlich ausheilt.

Kräuterpfarrer Künzle sagt

Gundenrebe ist ein verachtetet Kräutlein, weil sie schattenhalb und auf Schutthaufen wächst, nicht höher wird als ein Finger lang ist und mit langen Ausläufern dem Boden nachkriecht. Die Gundelrebe ist sehr wirksam bei Lungenleiden, Blutspeien, Abweichen mit Blutverlust, Husten, verdorbenem Magen, Asthma und Ausschlag. Wer an einem dieser Übel leidet, trinke fleißig Tee von Gundelrebe, Ehrenpreis und Hanfnessel. Bei Lungenleiden ist die Teemischung: Gundelrebe, Engelwurz und Salbei noch wirksamer. Reiner Gundelrebentee vertreibt die Würmer.

Anwendung in der modernen Heilkunst

Gundlrebe gehört zu den ersten Kräutern im Frühjahr, blüht bereits Ende März wenn auch der Bärlauch gesammelt wird und zusammen mit Gänseblümchen, Löwenzahnkraut, Giersch und den ersten Frühlingskräutern kommt die Gundelrebe mit in die traditionelle Gründonnerstagssuppe. Den Frühlingskräutern kommt die Aufgabe zu den trägen wintermüden Stoffwechsel wieder in Fahrt zu bringen.

Getrocknetes Gundermannkraut ist das ganze über im Kräuterladen zu kaufen. Weil wichtiger Bestandteil von Teemischungen zum Ausleiten und Entgiften des Körpers von Schadstoffen – im Besonderen von Schwermetallrückständen (Amalgam) und bei Muskelschwund und Muskelschmerzen wie zum Beispiel Fibromyalgie. Es sind die Inhaltsstoffe Saponine, Menthol, Marrubin, die ätherischen Öle und die Gerb- und Bitterstoffe Glechomin die der menschliche Organismus jetzt braucht um sich entgiften zu können.

Steckbrief Gundermann

Glechoma hederaceum aus der Familie der Lippenblütler. Dieses zarte, herzerfreuende Gewächs wird dem Planet Venus zugeordnet. Ausläufer bildende Pflanzen und „lästiges Unkraut“ sind Hinweise der Signaturenlehre auf die Vitalität von Gundermann. Im Volksmund Gundrebli, Gutermann, Heilrauf, Guck durch den Zaun und liebevoll Zickelskräutlein genannt.

 

 

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